Um vier Uhr nachmittags holt uns der Fahrer ab. Unser Flug von Delhi nach Zürich geht nachts um zwei, und von Jaipur nach Delhi sind es eigentlich nur 260km, aber die Strecke erfordere eine gewisse Zeitreserve, sagt man uns.
Und wie sie das erfordert! Die Strasse ist ein einziger Lastwagenkonvoi; Stossstange an Stossstange fahren sie mit etwa 40 km/h, zu zweit oder auch zu dritt nebeneinander. Unser Fahrer muss in einem früheren Leben Slalomrennfahrer gewesen sein. Er überholt mal links, mal rechts, drängelt, findet die Lücke, drängt da einen Wagen ab, während er einen Fussgänger oder eine Kuh weghupt. Das ist kein Verkehr mit Regeln, das ist ein kollektives Durchwursteln und Durchkämpfen.
Licht? Schon, aber nur vorne und erst, wenn es ganz dunkel ist. Dann aber volles Licht, die Scheinwerfer sind permanent an.
Je näher wir Delhi kommen, desto öfter stockt der Fluss, und mehrmals kommt er ganz zum Stillstand. Erst etwa 20km vor Delhi wird die Strasse zu einer Art Autobahn. Nachts um zehn erreichen wir den Flughafen. Der Fahrer ist zufrieden: So flüssig sei es schon lange nicht mehr gelaufen.
Wir blicken zurück. Die ersten Tage waren wir recht schockiert. Wir hatten gewusst, dass es viel Armut gibt in Indien. Trotzdem hat uns die Realität aufgewühlt: Die Bettler, die Krüppel, die Kühe und Hunde, die im Abfall wühlen, die Familien, welche in Zelten aus ein paar Ästen, Säcken und Tüchern hausen. Aber mit der Zeit haben wir uns an den Anblick gewöhnt, sind wir etwas abgestumpft. Das muss man, denn man kann nicht zwei Wochen lang herumreisen, nur betroffen sein und ein westlich- schlechtes Gewissen haben. Und das darf man, denn es sind nicht zuletzt der Tourismus und die Globalisierung, welche Indien rasch wachsen lassen und zunehmenden Wohlstand bringen.
Was bleibt? Zum einen der Eindruck, dass Indien, oder der kleine Teil davon, den wir gesehen haben, ein extrem vielfältiges, multikulturelles und tolerantes Land ist, ein chaotisches Land mit überfüllten Tuktuks und gefährlich alten Lastwagen, ein kultiviertes Land mit hervorragender Küche, höflichen Umgangsformen und einer immer leise spürbaren Fröhlichkeit. Zum andern die Ergriffenheit beim Anblick des Taj Mahal, von Fatehpur Sikri, des Amber Fort. Und zum Dritten die totale Entspannung in der Luxusoase des Oberoi Rajvilas in Jaipur.
Nach den positiven Erfahrungen mit Vietnam haben wir die meisten Hotels, den Fahrer und die Guides über Erlebe-Fernreisen gebucht. Die Firma arbeitet lokal mit zuverlässigen Partnern zusammen und geht auf Sonderwünsche ein.













































































